Mercedes SL 350 - Das luxuriöse Spaßmobil lässt praktisch keine Wünsche offen
Von Norbert Michulsky - Stuttgart (ddp). So lässt sich auch im November noch jede Sonnenstunde genießen. Praktisch lautlos klappt das Dach des Mercedes SL 350 zusammen und gibt den Blick auf den Himmel frei. Eine Novität - vom SLK-Roadster allerdings schon bekannt - ist die Nackenheizung, die selbst an weniger warmen Tagen ungetrübte Offenfahrfreude gewährleistet. Sie ist eins von zahlreichen Details, mit denen Mercedes seinen Flagship-Roadster aufgefrischt hat.
Sportlicher, dynamischer und mit neuer Optik tritt er an. Seine Frontpartie ähnelt stärker dem inzwischen bekannten Familiengesicht. Ob dies ein Fortschritt ist, muss jeder für sich entscheiden. Feingetunt wurden die bekannten Qualitäten: gediegener Komfort, üppige Fahrleistungen sowie solide Verarbeitung. So steht der 350 SL für Leistung, Luxus, Eleganz. Ein Inbegriff für sportliche und doch komfortable Fortbewegung, für den mindestens 87 000 Euro zu zahlen sind.
Unter der neu designten Motorhaube mit ihren beiden länglichen Beulen - Powerdomes genannt - verrichtet ein 316 PS starker Sechszylinder seinen Dienst und präsentiert sich vor allem akustisch ungewohnt. Tritt man das Gaspedal durch, röhrt der Motor in bislang Mercedes-untypischer Weise. Ein Kunststück der Sound-Designer. Aber die Maschine lässt sich auch unverändert dezent fortbewegen. Ungeachtet des hohen Fahrzeuggewichtes (1800 Kilogramm) beschleunigt die von Mercedes «Sportmotor» titulierte Antriebsquelle kultiviert und frei von Vibrationen bis maximal Tempo 250.
Das Siebengang-Automatikgetriebe wechselt die einzelnen Fahrstufen ruck, zuck - aber ohne Ruck. Menschliches Eingreifen mittels der Lenkradpaddel oder des Schalthebels ist überflüssig. Besser geht es nicht. Wird das Leistungspotenzial hemmungslos abgefordert, pendelt die Verbrauchsmarke alsbald um 15 Liter. Ohne Verzicht auf Fahrspaß und mit sozialverträglichem Fahrbewusstsein kann auch eine Acht vor dem Komma erscheinen, insbesondere bei längeren Etappen auf den tempolimitierten Autobahnen deutscher Nachbarstaaten.
Das volle Auskosten der Leistung quittiert der Sportmotor nicht nur mit der skizzierten Akustik, sondern zudem mit hohen Drehzahlen. Richtig los geht es erst ab 5500 Umdrehungen pro Minute. Aber, wie gesagt, das muss nicht sein. Ein weiteres Schmankerl hält der Zweisitzer beim Runterschalten bereit. Die Elektronik gibt Zwischengas. So sollen die Schaltvorgänge noch harmonischer verlaufen.
Einen nahezu vollendeten Spagat zwischen Fahrspaß und Komfort demonstriert das Fahrwerk. Wer mag, kann Kurven kratzen, dass es eine Freude ist, oder aber eher gemächlich und komfortbetont lange Strecken abreisen. In jedem Fall ist er bestens aufgehoben. Dazu tragen die beiden Vordersitze das Ihrige bei. Körpergerecht geformt bieten sie guten Federungskomfort und lassen praktisch keine Einstellungswünsche offen.
Das Ausstattungsniveau, die Wahl der Materialien sowie die ergonomischen Lösungen rangieren alle auf bekanntem Mercedes-Niveau. Je nach Investitionsbereitschaft kann das ohnehin schon hohe Ausstattungsniveau beispielsweise mit einer radargesteuerten Abstandsregelung noch getoppt werden. Oder mit einer Soundanlage mit zehn Lautsprechern und 510 Watt samt Festplatte für rund 1000 Musiktitel.
Ohne Fehl und Tadel absolviert der SL 350 innen wie außen das Kapitel Verarbeitungsqualität. Das gilt ebenfalls für die sauber gefertigte und äußerst verwindungssteife Karosserie. Sie zeigt bei offenem Verdeck keine Anzeichen von Schütteln. Selbst bei Tempo 200 sitzt man noch weitgehend zugfrei vor rauer Novemberkühle geschützt, sofern die Türfenster geschlossen und das Windschott aufgestellt sind. In diesem Fahrmodus offeriert das Gepäckabteil zwar nur noch 235 Liter. Die allerdings sind problemlos erreichbar. Beim Öffnen der Kofferklappe fährt das zusammengelegte Dach automatisch ein Stück nach oben.
Ein Schnäppchen ist der SL 350 SL nicht. Aber wer in solchen Preiskategorien heimisch ist, wird die Vorstellungen akzeptieren. Sie sind bei Lexus, Jaguar und Co. kaum anders. Mit der Überarbeitung hat der SL gewonnen und tendiert nun ein bisschen mehr in Richtung Fahrdynamik und Fahrspaß. Ob dies alles zeitgemäß ist, darüber zu diskutieren ist müßig. Niemand nutzt einen SL als alleiniges Fahrzeug. Der SL 350 ist ein Spaßmobil, eine Belohnung für die Sinne.
ddp/nom/hap
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